Tribünen-Tragwerk

Bei den Überlegungen zum Tragwerk wurde das Prinzip der Asymmetrie auf den dreidimensionalen Raum übertragen. Die Dachscheibe erhält eine mit einer Membran umhüllte Skulptur, die die Asymmetrie des Innenraums aufnimmt und bis zum Hochpunkt steigert. Diese Lösung garantiert zweierlei: Eine Aussteifung der Schwimmhalle und die Abtragung der Primärlast über die Fassadenpfosten. Ein doppelter Vorteil ganz anderer Art ergibt sich bei dieser Lösung außerdem: Die transluzente Membran läßt tagsüber Sonnenlicht in die Schwimmhalle einfallen mit dem Effekt eines Licht- und Schattenspiels auf der Wasserfläche, nachts ergibt sich ein Farbenspiel auf der farbig beleuchteten Außenhaut der Membran, die als Leuchtskulptur am Nachthimmel erscheint.
Die Tribünen passen ebenfalls in dieses Tragwerksraster und koppeln die jeweiligen Stützen miteinander. Das Tragwerk besteht aus zwei miteinander verbundenen Systemen: Zum einen ein unterspannter Einfeldträger (Spannweite 37,5 m), zum anderen ein vorgespanntes System oberhalb der Tribünen (Spannweite 30,0 m). Bei diesem vorgespannten System übernehmen die oberen Seile die gesamte Tragfunktion. Die untere Verspannung ist nur für die Aussteifung des Tragwerks verantwortlich. Da der Träger räumlich vorgespannt ist, funktioniert dieses System sowohl in Quer- als auch in Längsrichtung. Die einzelnen vorgespannten Träger sind durch Nebenträger miteinander gekoppelt. Um eine Auskreuzung der Fassade zu vermeiden, wird die Dachebene als Scheibe ausgebildet – über die gesamte Dachfläche sind drei Querfelder komplett ausgekreuzt.
Die 175 m lange Schwimmhalle besteht aus 13 Hauptträgern und zwei Endfeldern mit einem Achsabstand von 12,5 m. Der an die Tribünen angeschlossene Einfeldträger kann hier als unterspannter Einfeldträger angesehen werden. Um ein Kippen des Trägers zu vermeiden, ist der Knotenpunkt zwischen den beiden Systemen auseinandergezogen – die jeweiligen Obergurte laufen nicht in einem Punkt zusammen. Dadurch wird die anfallende Torsion aufgenommen.
Die Stützen der Ostseite werden im Normalfall nur auf Zug belastet. Bei geöffneter Fassade und dabei auftretender Windbelastung an der Unterseite des Daches kann diese Zugkraft abgebaut werden. Daher haben die (östlichen) Stützen dieselbe Dimension wie die Stützen der gegenüberliegenden Seite, um als Zug- und Druckglied zu funktionieren.
Alle Knoten- und Anschlußpunkte zwischen den Systemen sowie zwischen Stützen und Tragwerk sind als Gußknoten ausgeführt.

vorgespanntes System
Detail Verspannung
Verbindung der beiden Tragwerkssysteme
Dachaufbau
Dachaufbau
Tragwerksisometrie